Das Leuchten im Wort

Es ist nichts, nur das Wort, das den Fluss zum Leuchten bringt.

Jede Linie ist ausgeschrieben, jede Haut, jeder Blick.
Das Erinnern durchblättert Biografien. Den Duft der Geliebten, gehüllt in Seidenpapier. Im Vorbeigehen knistert es leise unter dem Blatt.
Es sind die geernteten Jahre an einem späten Nachmittag, in der Faust die Schriftstücke aus Nacht und Schmerz, die stundauf und stundab* am Herzen rissen.
Eine Stimme keimt vom Ufer her auf, wirft ihr Versprechen augenhell über den Spiegel des Wassers.
Mantelschwer zog sie und lichtete den Schlaf am tiefsten Grund.

Es ist nichts, nur dieses Leuchten im bleibenden Wort.

* Aus dem Gedicht „Wasser und Feuer“ von Paul Celan

Gabriele Pflug

5 Gedanken zu “Das Leuchten im Wort

  1. Am tiefsten Grund – in der Dunkelheit des Erinnerns: das Wort der Schöpfung, der unvollkommenen des Menschen, in der Göttin Mund, die alles Leuchtende schuf!

    Danke für diese Gedankenanregung
    und ganz liebe Grüße
    Helmut

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