herbstrosen

du trägst das kleid mit den erblühten rosen
ein geschenk früherer tage
und manchmal knistert die hitze
im gewebe oder der mond
bevor du haut an haut den augenblick
in eine fassung bringst und immer noch
duften die rosen aus der ferne
eine hand so leicht und schwer
dich fasst an der ersten blüte
und der abschied drängt sich an alle anderen
bis alles leben im laub versinkt

Gabriele Pflug

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wortlos

die kargheit der gedanken
am ende sind alle gedichte
blauer unfug

Gabriele Pflug

gedankenskizze, morgens

der honigflug der bienen. waldlichtungen an wasserstellen. lindes grün und leichter flügelschlag der farne.

da wusste die welt noch nichts von den menschen, die zuerst die ufer besiedeln, später alles andere in besitz nehmen werden.
wenig freundliches im blick, mit ihren großen schritten, die zukünftiges abstecken mit raffenden bewegungen.
die ihre intelligenz für maschinen und waffen verwenden und
auf der suche nach dem paradies verbrannte erde hinterlassen.

noch schlief der regenwald unter dem schutz der götter.

noch gab es windspiele und halmgezirpe und im herzen der wölfe dröhnendes gelächter.

noch schlief die blutfarbe der wörter tief und schwer.

Gabriele Pflug

herbst

pflanzen astern wir an lichtblauen tagen
erblühen sie uns einen herbst oder himmel
wandern unsere blicke und der weg steht still
werden wir in eine neue zeit geboren
weich und über alle nächte
hinaus

Gabriele Pflug

der fuchs

ein fuchs spazierte entlang meiner worte
aus dichtem laub trat er in meine geschichte
mit leichtem gewicht und leisem schritt
auf seiner kurzen sommerreise von strauch zu strauch
leuchtete sein haar im licht der halme
wir standen blick an blick und ich flüsterte:
nimm dich in acht vor krummen fingern derber hände

am hacken der mördertür hängt sein verblassendes fell
meine verse sind schwer ich fürchte mich

Gabriele Pflug

lichtverhältnisse

aus früchten fällt sommer
und langes licht gleitet leicht
wie die samen des löwenzahns
über die säume des tages

in dein wort, schon zur nacht geneigt
bricht sich der rest von wärme
wir werden sie auf unserer haut hüten
bis schnee zu uns spricht
mit hellem klang

Gabriele Pflug