Gartentage

Liebe Freundinnen und Freunde!

Ich verabschiede mich in die Pflanz- und Anbautage. Bin wieder ganz im Sinne der Tiere und Pflanzen unterwegs und lege den 4. Naturgarten an.
Ich hoffe, dass auch das Wetter mitspielt und ich nicht allzu viel gießen muss.
Danke an dieser Stelle für eure lieben Besuche und freundlichen Kommentare.
Wir lesen uns an Regentagen!

Liebe Grüße
Gabriele

Morgennotiz

Schlagzeilen trüben die Iris.
Das Land hinter dem Bildschirm
liegt in Trümmern.
Nur Schutt und Asche. Darunter schläft der Tod.
Wenn Schnee fällt, wäscht das Weiß
die Landschaft in Unschuld.
Ich drehe mein Gesicht zur Wand.
Wer erzählt den Toten ihre Lebensgeschichten zu Ende?
Wer nimmt das Leid der Mütter in die Hand und trägt es weit fort?

Schalt ab, sagst du,
dieses Meer kennt keine Ufer!

Gabriele Pflug

Hand aufs Herz

Manche Tage beginnen so:
Eine schlechte Nachricht klopft an,
setzt sich zu Tisch, unaufgefordert,
schenkt Kaffee ein.

Sagt: Heute sterben nur die anderen, weit weg
dein Haus bleibt unbeschadet.
Für heute.
Das Wetter wird schön, blauer Himmel.
Alles halb so schlimm.

Die Kolonie der Buschwindröschen
hebt deine Stimmung,
ihr Weiß bringt das Herz
zum Flattern.
Der Frühling trägt ein Versprechen auf seinen Lippen.

Weiter weg baut sich eine Nebelfront auf.
Unterdrücktes Kichern vom Feld.
Auf Schienen überqueren Fahrzeuge die Landschaft.
Sonst bleibt alles ruhig.

Der Nachmittag verläuft ohne Zwischenfälle.
Nur das Herz, dieses unberechenbare Organ,
torpediert die friedvolle Stimmung.

Gabriele Pflug

kreislauf

wir kamen aus dem nebel
während ein flüstern über das wasser stieg
regen ließ uns wachsen
und arme wurden zu flügeln

der frühling entblößte sein gesicht:
komm, löse dein haar!
und der wind trug es in wellen übers land

frühe worte streiften durch obstgärten
sommerwild und heiß
legten sie sich auf deine lippen
und ich verbrannte mich an ihrem atem

himmel und sterne nisteten in dir
und du schliefst mit offenen augen

dann war die jagd vorüber
und wir verließen das haus seltener
sammelten die erfahrungen
für später und vergaßen
wo wir sie aufbewahrt

das wetter schlug um
angst fiel in die nachmittage ein
winter kam schneller
als wir erwartet

im gebälk das röcheln
der tisch verwaist
und der schlaf wurde unruhig

wir träumen nicht mehr
bis wir verschwinden

nebelgleich flüsternd

Gabriele Pflug

lobrede

haut
du trägst meine jahre
über stein und wiesen
bist schlaf unter birken und mond
hütest meine gedanken
narben, hügel und senken
ein singender gefährte
im sonnenwind

du bist mein einzig
wort und gedicht
anfang und ende
ein feld zwischen innen und außen

wirst du mich begleiten
über den abschied hinaus

Gabriele Pflug

Ablass

Der Wind hält an
dreimal kerbe ich das Zeichen
in meine Haut:
Luft Schatten und Staub

Benenne die Bilder der Kindheit
sieben an der Zahl
wenn das Blau anhebt
klärt sich mein Auge

In der Senke erste Schneeglöckchen
und an den Pforten des Walds
schläft das Schweigen im Kopf
ein grünes Zuhause

Hier betrete ich die Lichtung
Hier ziehe ich meine Schuhe aus

Von allen Sünden spricht mich der Boden frei

Gabriele Pflug

flucht

das fenster senkt sein licht
draußen stiefeln geister
mütter falten wäsche für danach
und der hof schweigt
unter dem getrappel der gedanken

du nimmst feuer wahr
zwischen den häusern wird es
laut
schreit ein kommando:
keine angst, wir gehen unter
die wölfe
in deiner stimme beginnt
fell zu wachsen
und der berg heult
unter der last der gebete

Gabriele Pflug